ver.di Senderverband WDR

Rainer Marquardt ist tot

Rainer Marquardt ist tot

Rainer Marquardt ver.di im WDR Rainer Marquardt

Unser guter Kollege, engagierter Gewerkschafter, langjähriger Wegbegleiter, kluger Ratgeber und verlässlicher Freund mit klaren Ansichten und aufrechter Haltung, weitsichtigen Analysen und immer gut begründeten Argumenten und Meinungen hat uns verlassen.

Er wird uns fehlen. Wir trauern um ihn.

Er hat sein Wissen mit uns geteilt. Wir haben gemeinsam Erfahrungen gesammelt und um den richtigen Weg gerungen. Er hat Vorschläge gemacht. Wir haben sie beherzigt.

Und in seiner letzten Rede vor den Kolleginnen und Kollegen hat er uns zwei seiner Leitmotive und eine Aufforderung für unsere Zukunft hinterlassen.

Wir sollen selber handeln und uns einmischen. Daran wollen wir uns halten.

Und deshalb wirst du auch niemals so ganz gehen, Rainer!

 

Werbung fürs Einmischen
Von Rainer Marquardt


Mit zwei in Jugendtagen gelernten Motti konfrontiere ich immer mal wieder die Menschen in meiner Umgebung:
„Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“ und „Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren“. Die mittlerweile fast vierzig Jahre im WDR als Volontärspraktikant, Freier, Redakteur, Gewerkschafter, Redakteursvertreter und Personalrat hinterlassen gegen Ende meiner WDR-Laufbahn eine Überzeugung:

Diese Motti passen, heute vielleicht mehr denn je, hervorragend für das Überleben in diesem Sender. Mitstreiter finden, wenn es gilt, sich zu wehren und etwas zu erreichen: für sich wie für die vielen neben uns. Das bedeutet oft Niederlagen aus fehlender Macht und angesichts scheinbar übermächtiger Gegner, Kompromisse, die nicht euphorisch stimmen, Fehler, Versagen, Enttäuschungen. Aber es bedeutet auch Freundschaften, die Erfahrung von Solidarität, Erfolge, zu denen ich beitragen durfte.

Sicherlich ist es nicht vergnügungssteuerpflichtig, sich mit den Damen und Herren Verwaltungsdirektoren jahrelang um die Betriebsrenten streiten zu müssen, am Tisch, obwohl abwesend, die KEF und die Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Aber es tut auch immer wieder gut, wenn mit Freunden und Kollegen Ziele formuliert werden und um sie gekämpft wird. So habe ich Freundinnen und Freunde gewinnen können, die ich auch im Streit immer noch gerne sehe. So haben wir erreicht, dass „arbeitnehmerähnliche“ Freie das aktive und passive Wahlrecht zum Personalrat haben. Und dass im WDR mittlerweile sogar warngestreikt wird: ein echter Fortschritt. Und ein echter Kulturwandel, der uns in den kommenden Monaten hoffentlich helfen wird.

„Ich bin dann mal weg“, so hat sich vor Jahren mal ein früherer Personalratsvorsitzender verabschiedet, der uns bei ver.di jetzt wieder in unserer Tarifarbeit hilft. Bei Trude Herr hieß es: „Niemals geht man so ganz.“
Ich habe mich eingemischt – und das war trotz aller Fehler richtig. Und stellt bitte nicht die Frage, wer sich um meine Themen kümmert, wenn ich nicht mehr da bin. Natürlich ihr, indem ihr euch für eure Themen und Interessen einmischt.

Rainers letzte Rede am 6. Februar 2019 in der WDR-Personalversammlung

@verdi_WDR auf Twitter