Senderverband WDR

Teile und herrsche!

Teile und herrsche!

Erwiderung auf das Intendantenschreiben vom 24. Februar 2015
Rente in Münzen Torsten Fischer Rente

Hat es das schon einmal gegeben? Die Intendantinnen und Intendanten der ARD wenden sich zum Auftakt einer Tarifrunde in einem gleichlautenden Brief an die Beschäftigten und fordern von uns die Zustimmung zu Kürzungen an den Versorgungszusagen, unter denen wir alle, Rentner wie Aktive, einmal bei einer Rundfunkanstalt angefangen haben. Jung gegen Alt, schlechtere Renten oder schlechtere Gehälter, das ist der Grundtenor dieses Briefs. Was sie privatrechtlich nie hinkriegten, Eingriffe in gültige Verträge ohne triftigen Grund, das fordern sie von den Gewerkschaften.

Und dabei verstecken sie sich hinter der KEF, der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs, um solche Einschnitte als alternativlos (Unwort des Jahres 2010) darzustellen. Dabei scheuen sie sich nicht, unseriöse Argumente wider besseres Wissen ins Feld zu führen. Ein Beispiel dafür ist der Vergleich mit dem öffentlichen Dienst. Dass beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk schon Jahre vor dem öffentlichen Dienst die bisherigen Versorgungszusagen für alle neu eingestellten Kolleginnen und Kollegen nicht mehr galten, dass wir erst im vergangenen Jahrzehnt aus triftigen Gründen deutliche Verschlechterungen bei der Gesamtzusage tariflich vereinbart haben – von all dem kein Wort. Stattdessen ein Satz wie dieser: „Wir können es uns auf lange Sicht nicht mehr leisten, die Renten im selben Umfang steigen zu lassen, wie die Gehälter der aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

An diesem Satz ist alles falsch. Renten sind nichts anderes als verspätet ausgezahlter Lohn. Es sollte selbstverständlich sein, dass sie sich wie dieser entwickeln. Aber das tun sie schon heute nicht. In den vergangenen Jahren sind die Betriebsrenten (ein Blick in den jüngsten KEF-Bericht zeigt es) nur um durchschnittlich einen Prozentpunkt gestiegen.

Und welches Angebot machen sie uns: die Renten sollen nur noch um die Hälfte des jeweiligen Tarifabschlusses steigen.

Machen wir eine Modellrechnung:

Gehaltsanhebung um sechs Prozent, das bedeutete dann drei Prozent für die Rentner. Nach wenigen Jahren wäre die Rente weit von der Entwicklung der Löhne abgekoppelt. Und am meisten draufzahlen müssten natürlich die, die jetzt oder in Zukunft „auf Rente“ gehen. Und Rentner werden wir schließlich – hoffentlich – alle mal.

Und tun Sie, die Intendantinnen und Intendanten, doch bitte nicht so, als stünde das bei den Renten eingesparte Geld einfach für andere Zwecke zur Verfügung. Wenn eine falsche Politik den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schröpft, Stellenstreichungen fordert, keinen Ausgleich für Preissteigerungen vornimmt – warum sollten die das plötzlich nicht mehr tun, weil es unseren Rentnern schlechter geht? Und warum sollte man nicht im nächsten Schritt auch auf die Idee kommen, an den Zahlungen zur Pensionskasse für die Freien zu sparen?

Nein, wir wollen beides: anständige Löhne und anständige Renten und Pensionskassenzahlungen. Und deshalb ziehen wir auch mit einer anständigen Forderung in die Tarifrunde – für Aktive und für Rentner!

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