ver.di Senderverband WDR

Eigendreh und Eigenschnitt

Eigendreh und Eigenschnitt

WDR Düsseldorf Foto: Klara Vöcklinghaus WDR Funkhaus Düsseldorf

Die Tarifkommission von ver.di im WDR hat einem Tarifvertrag mit dem WDR über Honorarzuschläge für Eigendreh und Schnittleistungen von Autoren zugestimmt. Die Bestimmungen im Einzelnen:Die bisherigen Eigendreh-Zuschläge auf das Mindesthonorar von 25 % für Nachrichtenfilme bis 45 Sekunden, Berichte und Reportagen bis 1´45 Minuten und bis zu 2´30 werden um Beiträge bis 3´15 und 4 Minuten ergänzt, auch wenn sich die Eigendreh-Leistung nicht auf die vollständige Beitragslänge erstreckt. Testweise (für eine Erprobungsphase von drei Jahren) wird Eigenschnitt auf freiwilliger Basis tarifiert. Sollte er gefordert und zur Bedingung einer Auftragserteilung gemacht werden, widerspricht das dem Tarifvertrag und sollte den Personalrat als Wächter über die Einhaltung der Tarifverträge interessieren. Vereinbart sind Zuschläge für Schnittleistungen in Höhe von 10,5 % des Honorars für Beiträge ab 1 Minute in Höhe von 10,5 % des Honorars, 12,5 % bei Verwendung von eigener Schnitt-Software-Technik. Der Tarifabschluss war bis zuletzt umstritten. Autoren störten sich daran, dass Schnittbearbeitung erst ab einer Beitragslänge von mehr als 1 Minute zuschlagpflichtig sein werden. Damit entfällt praktisch eine gesicherte Vergütung für alle Schnittleistungen bei sogenannten „NiFs“ (Nachricht im Film, kurze Illustrationen von Textnachrichten).

Besonders kritisch betrachteten viele ProduktionsmitarbeiterInnen, CutterInnen und Kameraleute, und zwar festangestellte wie freiberufliche, den Abschluss. Sie sahen damit ganze Arbeitsfelder für spezialisierte Produktionsmitarbeiter entfallen.Man muss feststellen, dass in der Tat solche Arbeitsfelder entfallen – aber eben nicht durch den Tarifabschluss, der lediglich den Autoren für ihre Leistungen eine tariflich gesicherte Vergütung verschafft. Tatsächlich hat die Entwicklung es mit sich gebracht, dass es keine offensichtliche technische Hürde mehr für Dreh und Schnitt durch Autoren gibt. Früher war es schon handwerklich kaum möglich, die Bedienung von Kamera oder Schnittplatz neben den journalistischen Aufgaben her zu bewältigen. Dies ist heute anders. Moderne Kameras sorgen für technische brauchbare Bilder, auch wenn sie nicht von ausgebildeten Kameraleuten bedient werden. Schnittprogramme laufen auf einfachen PC’s und erfordern ebenfalls keine spezialisierte Ausbildung mehr, um technisch akzeptable Ergebnisse zu zeitigen. Das bedeutet natürlich nicht, dass Kamera- und Schnittarbeit nun einfach durch selbstdrehende- und schneidende Reporter/innen vor allem in der Aktualität zu ersetzen wären. Da geht es weiterhin um Arbeitssicherheit, Qualität, drohende Arbeitsverdichtung usw. Auch in der aktuellen Berichterstattung werden weiterhin Produktionskolleginnen und -kollegen gebraucht. Hier müssen ver.di und Personalrat aktiv sein.
Doch in der Tendenz wird der Beruf von Kameraleuten und CutterInnen damit auf den gestalterischen Kern hingeführt – eine komplexe Bildsprache, emotionale Aufnahmen und eine auf den Erzählinhalt abgestimmter Montagerhythmus entspringen eben nicht der technischen Bedienung, sondern beruhen auf Ausbildung und Erfahrung der gestalterisch tätigen ProduktionskollegInnen.Daran wird weder die technische Entwicklung noch der Tarifvertrag etwas ändern.Andererseits gibt es viele Schnitt- und Kameraaufnahmen, bei denen diese Ausbildung und Erfahrung nur eine geringe Verbesserung des Ergebnisses bringt, aber einen hohen, gerade auch organisatorischen Aufwand generiert. So ist der Qualitätsgewinn bei manchen kurzen Formen nicht so gravierend, dass es den Aufwand, ein eigenes Kamerateam in Bewegung zu setzen, danach den Autor zu einer festgesetzten Zeit ins Funkhaus oder Studio zu beordern, rechtfertigt.Auch viele ProduktionsmitarbeiterInnen beklagen sich eher über ein Übermaß an weniger anspruchsvollen Aufgaben.
Es bleibt die Tatsache, dass mit der technischen Entwicklung sich das Profil und auch der Beschäftigungsumfang vieler Produktionsberufe verändert. Verdi sieht es als Aufgabe, nicht nur – wie jetzt geschehen – den Autoren zu einer angemessenen Vergütung ihrer Produktionsleistungen zu verhelfen, sondern auch klare Perspektiven für das Profil und den Beschäftigungsumfang von Kameraleuten und CutterInnen einzufordern. Die Tarifkommission hatte den WDR gebeten, die Gespräche über das Thema noch einmal aufzunehmen. Dies hat der WDR jedoch zurückgewiesen und zunächst auf der Zustimmung zu dem erzielten Verhandlungsergebnis bestanden. Dies musste die Tarifkommission akzeptieren, geht jedoch davon aus, dass im Sinne der oben geschilderten Problematik die Gespräche mit dem WDR fortgesetzt werden. Je mehr die Gewerkschaft dabei von der Aktivität von Freien und Festangestellten unterstützt wird, desto eher können solche Gespräche mit dem nötigen Nachdruck geführt werden.

@verdi_WDR auf Twitter